Frank Hartmann

autor

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oft

oft sind wir

nur deshalb 

nicht

so mutig

so groß

so schön

weil wir denken

wir wären nicht

so mutig

so groß 

so schön

wie wir in wahrheit 

doch sind

rezept (für zwei personen)

  • 2x frische liebe zum kochen bringen und mit
    reichlich ausgelassener lust nach bedarf abschmecken
  • mit je 1000g vertrauen und ehrlichkeit andicken, bis zuverlässige konsistenz erreicht ist
  • eine weile bei zimmertemperatur ruhen lassen
  • pro person 1500g achtung mit behutsamkeit und geduld sanft verkneten und einstreuen
  • 2x geriebenen eigensinn mit 2 stangen freiheit und reichlich unbehandelter eigener meinung in einer schale vermengen dazugeben und gut verrühren
  • entschlossenheit (in ganzen früchten) unterziehen
  • masse rund ausformen und mit konzentriertem mut bestreichen
  • das ganze unter ständiger aufmerksamkeit bei ausreichender wärme gebacken kriegen
  • mit einer prise humor verfeinert liebevoll und zugewandt servieren

wohlbekomms

komm

komm
lass uns im hof des mondes sitzen
wir flüstern uns geheimnisse
und lachen

 

komm
lass uns aus blütenkelchen trinken
wir werden schwindelig davon
und singen

 

komm
lass uns zusammen ins bachbett steigen
wir zerwühlen es schamlos
und träumen

 

komm
lass uns in die sandburg ziehen
wir wohnen einander bei
und feiern

 

komm
lass uns baumkronen tragen
wir blühen auf
und wachsen

 

komm
lass uns feuerball spielen
wir machen die regeln
und teilen

 

komm
weißt du denn nicht
das glück hat vorne langes
und hinten kurzes haar

erinnern

erinnern

ein dach bauen
über augenblicke
die zu schön waren
als dass
der wind der zeit
einfach
über sie hinwegfegen darf
um sie fortzutragen
dahin
wo gleichgültigkeit
und
niepassiert
eineiige zwillinge
sind

 

unsere wahrheiten

unsere wahrheiten
haben dasselbe gewicht
dieselbe tiefe
und einen vergleichbaren gehalt

 

nur schmecken sie
sehr unterschiedlich

ich

auch wenn ich
unverwechselbar ich bin
ein gewachsenes wesen
ein ganzes universum
mit eigener sprache
meiner seele
mit gedanken und gefühlen
bin ich doch nicht ich
ohne
dich

 

denn tief in mir drin
liegen grundsteine deines wesens
ein stück deines universums
klingen worte deiner sprache
untrennbar verwachsen
mit allem
was ich unverwechselbar
ich nenne

 

du berührst mich
tief und schön
ich bin
unverwechselbar ich
nur durch
dich

wenn du mich fragst

schon wieder abend
so fließen die tage

tropfen aus dem meer der unendlichkeit
in meine irdene schale

 

ich setze einen fisch hinein
putzmunter
tonlos singt er
vom leben

 

das beste was er tun kann

wenn du mich fragst
mein herz
spring hinterher

morgenmeer

das meer schläft noch
glitzernd räkelt es sich
leise atmend
im sonnigen sandbett

 

nur sein zerzaustes seetanghaar
lässt mich schmunzelnd fragen
na
schöne nacht gehabt

wunsch

möge dir
die liebe
begegnen

 

an orten
an denen du
sie nicht erwartest

 

durch menschen
denen du sie
nicht zutraust

 

und in einer weise
die dich schlicht
sprachlos macht

altes haus

rissig hängt die tür

in rostigen angeln
zugewachsen vom kraut der zeit
splitterig ausgeblichen

durch flirrende sommerglut

verzogen vom frost des winters

 

es gab einen augenblick
da ging jemand

leicht und fröhlich
mit einem lockenden ziel
widerwillig und wehmütig
im brennen auf rückkehr

zum letzten mal hindurch
wie tausende male zuvor
fiel sie klackend ins schloss

 

jeder augenblick ist abschied
das letzte mal dieses wort
dieses gefühl dieser mensch
dann fällt die tür ins schloss

denkmal

ich lasse die tasse
aus der du einen letzten
kaffee getrunken hast

 

dort stehen
wo du sie abstelltest
auf der fensterbank

 

nach drei wochen ist
der bodensatz so lebendig
wie meine erinnerung

 

beides
bringt dich
nicht zurück

aufwachen

aufwachen vom lärm

die vögel singen
zwitschern und lärmen
durchs offene fenster

 

einschlafen wollen
wieder
erfolglos

das fenster schließen
und doch nicht schlafen

können

 

feststellen

es ist der krach von innen
der mich am weiterschlafen hindert

er dringt
durch die offene seele

 

zeit aufzustehen

heute

ich liege gut in der zeit
sie wiegt mich zärtlich
zwischen grün und blau
ereigne ich mich
dankbar ohne wehen

 

alles dreht sich
ich stehe still
alles scheint wiederzukehren
ich bin nur einmal
dann nie wieder

 

abseits der traurigkeit
liegt ein hund begraben
eine bahnstation rast vorbei
verwischt ihren namen
ich winke ihr nach

 

wo niemand blätter sieht
höre ich sie im wind rascheln
die see der sinne
ist mein zu hause
ich schöpfe

 

ich öffne das fenster
die sonne folgt mir lautlos

ins bett wärmend und hell
ich glühe mit
heute

 

nur heute

im rahmen einer phantasie

diesen moment
da du dich umdrehtest
deine arme sich öffneten
und ich mit meinen händen
durch dein haar fuhr
ganz vorsichtig
bebend vor erleichterung
und ein leiser seufzer
mit geschlossenen augen
deine antwort war
den habe ich mir gerahmt
und gut sichtbar aufgehängt

 

ich trete ein wenig zurück
und schaue lächelnd darauf
was für ein wunderschönes bild
ein moment für die ewigkeit
das größte je gefühlte glück
ein einmaliges geschenk
ich lege den kopf schief
schade nur
dass es diesen moment
nie wirklich gab

winteranfang

ich bin
hauchte die rose
mit mühe
ich bin die liebe

 

du bist
knisterte der schnee
mit macht
du bist nicht mehr

 

da lächelte
die rose
kennst du den sommer
fragte sie

 

der schnee
schwieg

umweg

ich senke meinen blick
im gartenteich sehe ich
die unendlichkeit des himmels
über mir

 

ist es nicht immer so
dass man im kleinen
das große sieht

im außen das innen
in der sorge die hoffnung
in der trauer die freude
im schmerz die unversehrtheit
im du das ich
und in der liebe
die wahrheit

 

umwege erweitern
die ortskenntnis
sagt man

liebesgedicht II

ich kränze dein haupt

mit rosenblüten
bereite dir ein bett

im weichen gras
das funkeln der sterne streue ich

in dein samtiges haar
mit silbernem mondlicht

decke ich dich zu

 

hast du ausgeschlafen

gieße ich warmes sonnenlicht

in deine geöffneten hände

lege dir eine perlenkette

aus tautropfen um den hals

schenke dir

alle vier himmelsrichtungen

für diesen tag

 

dunkelt es

zünde ich leuchtfeuer
wenn du willst kommst du
wirfst deinen anker machst fest
legst deine müden füße

in meinen schoß

lächelst weil du bist

wo du sein willst

zweimalneun

wenn alles da ist
liebe
wärme

nähe

distanz
vertrauen und würde
reichtum und freude
sicherheit
was fehlt?


wenn alles verloren geht
liebe
träume

lachen

lust
haut und haar
sinn und verstand
zeit
was bleibt?